Fachbereich Wissen
Je früher, desto besser!
Einleitung
Die Schweizer Norm SIA 102 definiert die Rolle und Aufgaben des Architekten im Bauprojekt und legt grossen Wert auf die frühzeitige Koordination und Integration von Fachplanern. Insbesondere bei der Gebäudehülle ist eine frühe Einbindung des Fassadenplaners von zentraler Bedeutung.
Die Fassade übernimmt längst nicht mehr nur eine gestalterische Funktion. Sie ist ein hochkomplexes technisches System, das massgeblich Einfluss auf Energieeffizienz, Bauphysik, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit sowie auf den langfristigen Betrieb eines Gebäudes hat. Der vorliegende Bericht zeigt auf, weshalb der möglichst frühe Einbezug eines Fassadenplaners zu qualitativ besseren, wirtschaftlicheren und nachhaltigeren Projektergebnissen führt.
Rolle des Fassadenplaners
Der Fassadenplaner ist Fachspezialist für die technische Planung der Gebäudehülle unter Berücksichtigung der gestalterischen Vorgaben des Architekten. Seine Aufgabe besteht darin, die Fassade als integralen Bestandteil des Gesamtbauwerks zu entwickeln und sämtliche relevanten Anforderungen in ein funktionierendes Gesamtkonzept zu überführen.
Dabei koordiniert und verknüpft der Fassadenplaner insbesondere folgende Aspekte:
Ziel ist es, alle diese Faktoren im Gesamtkontext aufeinander abzustimmen und sowohl den architektonischen Entwurf als auch die funktionalen und wirtschaftlichen Anforderungen optimal zu unterstützen.
Projektgewinn durch den frühen Einbezug eines Fassadenplaners
Der ideale Zeitpunkt für den Einbezug des Fassadenplaners ist bereits die Phase der Vorstudien. Je früher der Fassadenplaner involviert ist, desto grösser ist sein Einfluss auf die Entwurfsqualität und die technische Machbarkeit des Projekts.
Die frühzeitige Integration eines Fassadenplaners bietet zahlreiche Vorteile:
Gestalterische Qualität
Die enge Zusammenarbeit mit dem Architekten stellt sicher, dass Funktionalität und Ästhetik von Beginn an als Einheit entwickelt werden.
Später Einbezug eines Fassadenplaners
Erfolgt der Einbezug des Fassadenplaners erst in einer späteren Projektphase, können erhebliche Nachteile entstehen:
Nachträgliche Anpassungen: Technische Korrekturen an bereits entwickelten Fassadenkonzepten sind zeitintensiv und kostensteigernd.
Schnittstellenkonflikte: Unzureichend koordinierte Fassadenlösungen führen häufig zu Kollisionen mit Tragwerk, Ausbau oder Gebäudetechnik.
Eingeschränkte Entwurfsfreiheit: Späte technische Anforderungen können gestalterische Konzepte ein-schränken oder zu suboptimalen Kompromisslösungen führen.
Fazit und Empfehlungen
Der möglichst frühe Einbezug eines Fassadenplaners ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für Qualität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit eines Bauprojekts. Idealerweise wird der Fassadenplaner bereits in der Phase der Vorstudien eingebunden, um eine ganzheitliche und integrierte Planung sicherzustellen.
Dies führt zu einer effizienteren Projektabwicklung, einer kostensicheren Ausführung sowie zu optimierten Betriebs- und Instandhaltungskonzepten über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes.
Architekten, Generalplaner und Bauherren sind daher gut beraten, den Fassadenplaner frühzeitig als gleichwertigen Planungspartner einzubinden. Eine enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten ist Voraussetzung, um komplexe Fassadenlösungen erfolgreich umzusetzen und spätere technische, wirtschaftliche und organisatorische Probleme zu vermeiden.
Verfasser: Manuel Franzone, Projektleiter - Baugutachter
